47
- Jan-Christoph Hauschild

- vor 5 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Nach dem Abendessen legte von Haase seinen beiden Gästen eine Vereinbarung zur Unterschrift vor, die er als „Standardvertrag“ bezeichnete.
Alexander nahm die beiden Blätter, las sie stirnrunzelnd und reichte sie an Kim weiter. Sie wurden darin als „Auftraggeber“ bezeichnet, von Haase als „Auftragnehmer“, der ihnen für das Projekt mit dem Arbeitstitel „DOMINIQUE“ für die Dauer von 5 Jahren ab Unterzeichnung in seiner Eigenschaft als Experte für Prä-Astronautik „nichtexklusiv“ als wissenschaftlicher Berater zur Verfügung stehen wollte. Mit ihrer Unterschrift sollten sie sich verpflichten, sämtliche ihnen vorliegenden Informationen zum Projekt, auch wenn sie nicht durch von Haase verfügbar gemacht wurden, in die Projektentwicklung einfließen zu lassen. Alle Erlöse aus „urheberrechtlichen Nutzungsrechten und sonstigen Rechten an den vertragsgegenständlichen Arbeitsergebnissen“, wie die steife Formulierung lautete, sollten zwischen ihnen hälftig geteilt werden. Darüber hinaus behielt sich von Haase das Recht vor, die gemeinsam mit ihnen gehaltenen Rechte an einen Dienstleister namens Andromeda Real Estate MVH zu übertragen.
„Nur für den Fall, dass es zu dem geplanten Bau eines Themenparks kommt“, erklärte er auf Kims Nachfrage.
Alexander fragte sich, ob es in diesem Mann überhaupt etwas geben konnte, was nicht seinen geschäftlichen Interessen untergeordnet war, seinem Instinkt für Reklame und Ruhm, fragwürdigen Ruhm. Es missfiel ihm, dass sich Kim mit von Haase überhaupt ernsthaft einließ. Aber dass sie sich – und ihn mit – nun auch noch vertraglich an diesen geschäftstüchtigen Schwindler binden wollte, war ihm unbegreiflich. „Willst Du das wirklich unterschreiben?“, sagte er mit gedämpfter Stimme zu ihr.
Von Haase schien seine Gedanken zu erraten. „Lest euch den Vertrag in Ruhe durch“, sagte er. „Es reicht, wenn ich ihn morgen bekomme. Und denkt bitte bei Gelegenheit daran, mir die Scans von euren Dokumenten zu schicken.“
„Zu Befehl“, sagte Alexander und schenkte ihm ein eingefrorenes Lächeln. Dann sah er Kim an. „Und was kommt als nächstes? Wir haben ja noch acht Tage Zeit bis zu unserem Rückflug. Da können wir jede Menge Unfug anstellen.“
Kim ignorierte seinen Sarkasmus. „Ich meine, das ist doch klar. Wir fliegen nach Dresden und besuchen den lieben Herrn Holtz.“
„Na klar“, erwiderte Alexander. „Wir haben ja auch nichts Besseres zu tun. Gestern Paris, heute Vevey, morgen Dresden. Für einen Bomberpiloten wäre das eine schöne Route. Then we take Berlin....“
„Alex!“ Sie starrte ihn aus schmalen Augen an.
„Ist doch wahr! Was haben wir denn in der Hand? Gar nichts. Das ist wie... wie eine Heunadelsuche.“
„Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, verbesserte ihn Kim.
„Bloß dass Du nicht mal einen Heuhaufen hast.“
„Doch. Seine letzte Adresse.“
„Aber er wohnt da doch gar nicht mehr!“
„Das wissen wir nicht. Er steht mit dieser Adresse nicht im Telefonbuch. Aber das heißt nicht, dass er da nicht mehr wohnt. Wir werden das feststellen.“
„Du willst einfach mal eben, mir nichts, dir nichts, auf Verdacht nach Dresden fliegen?“
„Will ich. Kommst Du mit?“
„Ihr beide könnt doch in Dresden nach Herrn Holtz suchen. Ich bleibe hier bei Ararya und lasse mich von ihr in der Kampf- und Küchenkunst unterweisen. Praktisches Wissen, das mir noch abgeht.“
„Das könnte Dir so passen“, sagte Kim lächelnd. „Und anschließend noch ein bisschen thailändisch-brasilianisches Kamasutra mit ukrainischem Akzent. Nein, Du kommst schön mit. Du bist doch mein Beschützer.“
„Aber wie kann ich das sein, ohne solide Kampfausbildung?“
„Mit mentaler Stärke. Damit hast Du mich ja auch rumgekriegt.“
„Sehr schön“, sagte von Haase. „Dann hätten wir das also auch geklärt. Ihr beide fliegt, und ich halte hier die Stellung. Und wenn ihr Holtz gefunden habt, sehen wir weiter. Sollte meine Anwesenheit erforderlich werden, setze ich mich in die nächste Maschine. Versprochen.“

Kommentare