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Ich gehe in Vögisheim in die Volksschule. Alle acht Schuljahre sitzen zusammen in einem großen Raum. An der Wand hängt eine Landkarte des Markgräflerlands. Unser Lehrer ist Herr Reng. Ich sage ihm, dass ich schon lesen kann und lese ihm vor, was vorne auf dem Schulbuch draufsteht. Frieder, Thomas und Jürgen, die drei andern Jungen, die zusammen mit mir in die Erste Klasse gekommen sind, staunen.

Und Schreiben kann ich auch schon, übrigens.
So so, sagt Herr Reng. Schreibschrift oder Druckschrift?
Alles.
Dann schreib mal das große G in Schreibschrift.

Ausgerechnet das große G! Das große G ist der schwierigste Buchstabe, schwieriger noch als das Ypsilon, weil das G zu Anfang eine kleine Schleife hat, und ich weiß im Moment nicht, ob sie von links nach rechts oder von rechts nach links geht. Ich male das G in Druckschrift und sage, das ist das G in Druckschrift, aber Herr Reng lässt es nicht gelten. Ich male eine Schleife, und daraus wird ein e und aus dem e wird ein f. Ich male eine neue Schleife und daraus wird ein C. Ich kriege einen roten Kopf und male ein Ypsilon mit einem Schwänzchen dran. Herr Reng sagt, Na ja.

Jeden Morgen zum Unterrichtsbeginn schreibt Herr Reng Zahlen auf die große Tafel. Dann müssen wir uns alle hinstellen und der Reihe nach die richtigen Antworten geben. Mit uns Erstklässlern beginnt er. 1+1=2 +1=? Wer die richtige Antwort gibt, darf sich setzen. Wer zum Schluss übrig bleibt, ist der Rechendümmste.

Danach fangen wir mit Buchstaben an: n und u, f und l, i und a, schließlich Buchstabenverbindungen: li und la, ali und lila, mu und ma und mama.

In meinem Hausaufgabenheft hat Herr Reng dauernd etwas zu beanstanden.
Deine Buchstaben stehen nicht gerade auf ihren Beinen. Die kippen mal nach links, mal nach rechts. Du musst gleichmäßig schreiben. Ist das so schwer? Gib dir mal ein bisschen Mühe.

Dann die ersten Worte und kurze Sätze: auf, lauf, fein, Suse sei leise. Oma so fein. Suse soll rennen. Hausaufgabe: Wörter mit a, e, i, o und u. Ich schreibe ha ha ha und hä hä hä, aha und oho und hallo. Wieviel sind da, drei oder vier, hol sie her, Vater ruft hier her, Wo ist Vater, Wo ist Vater, ahoi in die See.

In der großen Pause spielen wir auf dem kleinen Hof vor der Schule Fangen. Dabei reiße ich Gabi Leisinger aus der fünften Klasse das Kleid kaputt. Sofort rennt sie weinend zu Herrn Reng: Herr Lehrer, Herr Lehrer, der Junge da hat mein Kleid kaputt gemacht. Dabei war es ihre eigene Schuld, denn ich hatte sie schon eingefangen und sie hat sich losgerissen.

Unartige Kinder werden von Herrn Reng manchmal mit dem Stock bestraft. Er könnte mir auch eine Ohrfeige geben, aber ich habe eine Brille, und die könnte dabei kaputt gehen. Mich stellt er nur in die Ecke. Vielleicht geniert er sich, mich zu verhauen, weil er bei uns jeden Tag zu Mittag isst, das Stammessen mit Suppe und ohne Nachspeise zu DM 2,20.

Nachher will Papa von mir wissen, warum ich ihm nicht erzählt habe, dass Herr Reng mich verhauen hat. Ich sage Papa, dass Herr Reng mich nur in die Ecke gestellt hat, aber Papa glaubt mir nicht, weil er etwas anderes gehört hat.
Lüg mich nicht an, verdammt noch mal!
Ich lüge nicht!
Gern würde ich noch mehr sagen, aber ein Schluchzen verstopft mir die Kehle und ich laufe zu Mama, weil Papa so gemein zu mir ist.
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