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„Monsieur Croqué“, sagte Laroussi, nachdem seine Sekretärin die Verbindung hergestellt hatte, „ich habe eine gute Nachricht für Sie.“
„Ich höre“, ließ sich Croqué gutgelaunt vernehmen.
„Die Kommission zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten hat sich auf meinen Vorschlag hin entschieden, den Hinweis, wonach Sie Eigentum der Universität veräußert haben sollen, aus formalen Gründen nicht zur Kenntnis zu nehmen.“
In Wahrheit dachte der Präsident nicht im Traum daran, die Untersuchungen gegen Croqué einzustellen oder diesen gar von den Vorwürfen freizusprechen. Es galt lediglich, ihn in der Gewissheit zu wiegen, er sei noch einmal davongekommen, um sich ungestört auf die Suche nach den Resten der Sammlung Berger begeben zu können. Die Filmrollen interessierten Laroussi nicht. Das waren keine Relikte, an denen man sich die Finger verbrennen konnte. Es war sogar gut, wenn die Öffentlichkeit von ihrer Existenz erfuhr. Daraus ließ sich die Meldung machen, dass sie nunmehr der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung gestellt würden. Aber das Skelett musste er finden. Es konnte ihm den Hals brechen. Zum Glück gab es so etwas wie eine Spur. Bei seinem gestrigen Gespräch mit Hausmeister Froeschel hatte er in Erfahrung gebracht, dass die Firma Artrans vor wenigen Tagen eine Kiste mit einem Skelett aus der Sammlung des Anthropologischen Instituts in das Magazin am Rheinhafen gebracht hatte. Den Schlüssel zu diesem Gebäude hatte ihm Froeschel bereits ausgehändigt.
„Danke“, sagte Croqué leichthin. Laroussi sollte nicht denken, damit sei er bereits zufriedengestellt. „Aber wieso nur aus formalen Gründen?“
„Der Hinweis war anonym. Wo kämen wir hin, wenn wir jedem Vorwurf auf bloße Behauptung hin Aufmerksamkeit schenken würden?“
Gemessen an ihrer letzten Unterhaltung klang dies jetzt wie blanker Hohn. Trotzdem befand Croqué, dass es sich um eine „weise Entscheidung“ handle.
„Und was die Kritik von Professor van Drongelen an den Ergebnissen Ihrer Labortätigkeit angeht, ist die Kommission nach kurzer Diskussion zu der Ansicht gelangt, dass es sich dabei um eine rein innerwissenschaftliche Auseinandersetzung handelt, mit der sich die Kontrollgremien der Universität nicht befassen müssen und daher auch nicht befassen werden. Außerdem denke ich, dass es künftig keine Friktionen mehr geben wird, da ihr Messgerät zurzeit defekt ist. Also praktisch stillgelegt.“
Croqué verstand den Wink. Er musste nicht lange überlegen, um zuzustimmen. Die Zeit war gekommen, um mit diesem Abenteuer aufzuhören und sich einem anderen, größeren zuzuwenden. Aus dem Umstand, dass er praktisch elternlos aufgewachsen war, hatte er die Freiheit entwickelt, sich nach Belieben allem anzuschließen, das ihm passend erschien. Gleichzeitig ließ sie ihn ungebunden genug, um sich schon im nächsten Augenblick voll und ganz einer anderen Sache zu widmen. Im Grunde war er der geborene Entfesselungskünstler, fähig, sich aus der unangenehmsten Lage selbst zu befreien. Was warfen diese Datierungen schon ab? Nennenswert waren höchstens die Schlagzeilen, aber selbst auf die konnte er mittlerweile verzichten, weil es für ihr Zustandekommen längst Alternativen gab. Im Geschäftsleben kam es darauf an, sich im richtigen Moment zurückzuziehen. Handelte man nach dieser Devise, konnte man nie verlieren. Solche Wendepunkte zu erkennen und das Heft des Handelns dennoch in der Hand zu behalten, hielt er für einen genialen Instinkt, der nur außerordentlichen Geistern gegeben war. Napoleon hatte das auch begriffen, als er 1799 die Revolution, der er seine Karriere verdankte, für beendet erklärte und sich fünf Jahre später selbst zum Kaiser krönte. Hätte er die Dinge einfach laufen lassen, wäre er wahrscheinlich wie die andern Banditen der Revolution unter der Guillotine gelandet.
„Die Technik ist inzwischen veraltet“, sagte er fügsam. „Bedenken Sie, das Gerät stammt noch aus dem vorigen Jahrhundert. Die Arbeit damit ruht. Ich denke nicht, dass es zu einer Wiederinbetriebnahme kommt.“
„Sehr gut. Ich meine, das ist schade für Sie und das Institut. Aber Sie können sich doch auf anderen Feldern zum Ruhm der Wissenschaft betätigen.“ Und betrügerischen Unsinn anstellen, führte Laroussi in Gedanken den Satz fort.
„Die Arbeit wird deswegen nicht weniger“, stimmte Croqué zu, wobei er an seine Idee eines Neandertaler-Komplettskeletts dachte, für das ihm die beiden Herren Chen von Formosa Siliconware bei ihrem kürzlichen Besuch in Straßburg eine Zusage über 500 Exemplare zum Abnahmepreis von $97.125 gegeben hatten, einschließlich der Montage auf ein stabiles Metallstativ mit 5 Rollen.


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