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16. Sept.
4 Min. Lesezeit

Es gab noch öfter Alternativen für den Rösselsprung. Einmal kamen sie auf eine Folge von 12, ein andermal von 13 Buchstaben, die sich, ganz regelgerecht, vor dem C noch um zwei bzw. einen Buchstaben verlängern ließen. Aber beide Male blieben Buchstaben übrig. Am Ende standen zwei Wörter auf von Haases Zettel: SCHELETRIGOHERRL und HERSCHELRIGOLLET.

 

„Jetzt seid ihr dran“, sagte von Haase jungenhaft grinsend, nachdem er die Wörter langsam buchstabiert hatte, damit Hilde die Buchstaben auf ihrem Holzbänkchen aufstellen konnte. Offenbar hielt er das Ganze für ausgemachten Blödsinn.

 

„Das erste Wort klingt nach Skelett“, sagte Alexander. „Aber mir fällt keine Sprache ein, in der man Skelett mit Sch schreibt. Und RIGOHERRL?“

 

„Da versagen Googles Algorithmen.“

 

„Also Quatsch“, ließ sich von Haase vernehmen. „Sag ich doch.“

 

„Moment“, sagte Alexander. „Es bleibt noch HERSCHELRIGOLLET. Dazu hatte ich von Anfang an mehr Vertrauen. Da steckt der Name Herschel drin. Das sagt mir was.“

 

„Haltet euch fest“, sagte Kim. „35P/Herschel-Rigollet is a periodic comet with an orbital period of 155 years“, las sie aus den Suchergebnissen vor. „Punkt der weitesten Entfernung von der Erde: 8,5 Milliarden Kilometer.“

 

Von Haase hielt es nicht länger auf seinem Schreibtischstuhl. „Ein Komet? Verstehe ich das richtig? Es ist der Name eines Kometen? Und Holtz hat ihn entdeckt?“

 

„Nein“, sagte Kim. „Caroline Herschel hat ihn 1788 entdeckt. 1788! DOMINIQUE! Und Roger Rigollet hat ihn 1939 ebenfalls beobachtet.“

 

„Moment. Zwischen 1788 und 1939 liegen, wenn ich richtig informiert bin, nur 151 Jahre. Nicht 155“, sagte Alexander.

 

Kim betrachtete ihn kopfschüttelnd und wies dabei auf ihr Telefon. „Ich kann nur wiedergeben, was bei Wikipedia steht.“

 

„Lass Dich von dem Herrn Professor bloß nicht irritieren, Liebes“, knurrte von Haase. „Wer hat denn jetzt den Hauptanteil an der ganzen Geschichte? Doch nicht die Astronomen? Und ohne mich wäre Holtz doch aufgeschmissen gewesen, oder?“

 

„Hier greift eins ins andere. Für Holtz war das regelmäßige Erscheinen des Kometen der Schlüssel zu Deiner Theorie. Weil sich das mit Daten deckte, die Du ermittelt hast.“

 

„Habe ich Daten ermittelt?“

 

„Offenbar. Oder Holtz hat sie abgeleitet. An seiner Entdeckung scheint jedenfalls etwas dran zu sein“, sagte sie in Alexanders Richtung. „DOMINIQUE wurde am 21. November 1788 beerdigt. Caroline hat den Kometen am 21. Dezember in einer Entfernung von 111 Millionen Kilometern beobachtet. Sie kommen auf der Umlaufbahn eines Kometen.“

 

„Sie?“ sagte Alexander und kräuselte die Stirn, während er Kims Telefon entgegennahm. „Geschwader tellerförmiger Raumgleiter, aus denen kleine grüne Männchen steigen? Tja, da muss ich wohl die Waffen strecken und um förmliche Aufnahme in die Ancient Alien Association bitten.“

 

„Du, das ist gut, das ist sehr gut“, rief von Haase, der Alexanders Sarkasmus schlicht ignorierte. „Das machen wir. Wir gründen eine internationale Gesellschaft.“

 

„Bitte nicht“, sagte Alexander.

 

„Du willst kneifen?“

 

„Ich sträube mich nur gegen die umfassende Vermarktung.“

 

„Natürlich, der Herr Professor will sich die Hände nicht schmutzig machen. Aber den Ruhm einfahren, das willst Du schon, ja?“

 

„Jetzt behalte mal die Nerven, Maurice“, sagte Alexander gereizt. „Wie ich eben schon sagte, haben wir nichts in der Hand. Zuallererst gilt es, sich mit Croqué zu verständigen. Und ich glaube nicht, dass wir das so schnell schaffen. Übermorgen müssen wir jedenfalls zurück nach Washington. Niemand von uns weiß, wie Croqué reagiert, wenn wir ihn auf DOMINIQUE ansprechen. Was wird er zur Prä-Astronautik sagen? Wir wissen, er ist skrupellos, er ist ein Spitzbube, aber er ist sicher nicht leichtgläubig. Wir werden ihm alles verraten müssen, den Eintrag im Beerdigungsregister, den Brief von Himly an Zünsler, den Kometenumlauf. Und wenn er nur halb so geschäftstüchtig ist wie du, Maurice, wird er versuchen, uns auszubooten.“

 

„Dann verraten wir ihm eben nichts. Dann heucheln wir eben irgendeinen anderen Grund für unser Interesse.“

 

„Und wenn er dann auf eigene Faust Nachforschungen anstellt? Es gehört nicht viel Grips dazu, alle Schritte, die wir gegangen sind, selbst zu gehen. Wahrscheinlich schafft er es sogar in kürzerer Zeit, weil er nicht rätseln muss, wo Waldbach liegt und welcher Anatom für die Präparierung von DOMINIQUE in Frage kommt. Im Handumdrehen hätte er die Dokumente aus Waldersbach und aus Donaueschingen selbst in der Hand.“

 

„Dann treten wir eben als Geschäftsleute auf. Also ich. Ich kaufe ihm das Skelett einfach ab. Wenn er wirklich so korrupt ist, wie es heißt, wird er ein anständiges finanzielles Angebot von meiner Seite sicher nicht zurückweisen. Ich sage einfach, ich hätte in der NZZ von seiner Sammlung gelesen. Vielleicht gibt es auch noch einen besseren Anknüpfungspunkt. Irgendwelche Geschäftsverbindungen, von denen ich erfahren haben könnte.“

 

„Als ich bei ihm war, hatte er anschließend ein Gespräch mit Wissenschaftlern aus Taipeh.“

 

„Taipeh? Das sind die Nationalchinesen. Das ist gut. Da wird immer viel geredet. Das ist meine Quelle.“

 

„Langsam, Maurice. Selbst wenn es Dir gelingt, Croqué DOMINIQUE abzuschwatzen – der Verkauf wäre illegal. Es handelt sich um Eigentum der Universität.“

 

„Ich kaufe selbstverständlich im Glauben, es handle sich um sein privates Eigentum. Du schüttelst den Kopf? –Verdammt, Alex, das ist doch erstmal egal. Hauptsache, wir haben das Ding erstmal hier. Dann können wir es in aller Ruhe untersuchen, vermessen, fotografieren, röntgen, kopieren – und zum Schluss geben wir es mit großer Geste wieder zurück.“

 
 
 
9. Sept.
4 Min. Lesezeit

Während Kim ins Gästezimmer ging, um das Bild, das sie schon im Koffer verstaut hatte, zu holen, setzte von Haase das Gespräch mit Alexander fort.

 

„Übrigens vielen Dank für den Link zu den Beerdigungsregistern und die Scans aus Donaueschingen, Alexander. Ich kann zwar nicht alles entziffern, oder, um der Wahrheit die Ehre zu geben, ich kann diese alte deutsche Schrift nur schwer lesen, aber immerhin hat sich mir bestätigt, dass wir da der größten Sache aller Zeiten auf der Spur sind.“

 

Kim war zurückgekommen und hielt das Bild vor die Bildschirmkamera. „Kannst Du es erkennen?“

 

„Ja. Ich erinnere mich, dass es in seinem Zimmer hing. Was sind das für Figuren?“

 

„Es sind Schmetterlinge. Immer vier bilden ein Quadrat.“

 

„Dann sind die kleinen Kreise die Augenflecke auf den Flügeln.“

 

„Genau. In Frankreich heißen diese Falter ‚Paon du jour‘.“

 

Sie hielt sich das Bild dicht vor die Augen, um die Details zu studieren. Auf dem Augenfleck des Schmetterlings, der genau im Schnittpunkt der Diagonalen lag, entdeckte sie ein E, und schräg links darunter ein L.

 

„Wisst ihr was“, sagte sie ungläubig. „In einigen Augen sind Buchstaben.“

 

„Lass mal sehen“, sagte Alexander und nahm das Bild an sich. „Tatsächlich.“

 

Wie er feststellte, waren insgesamt 16 Augenflecken mit kleinen Buchstaben versehen, auf eine Weise, dass sich zwei Schmetterlinge mit Buchstaben höchstens an den Flügelspitzen berührten. Sie ergaben jedoch weder horizontal noch vertikal gelesen einen Sinn. Er gab das Bild an Hilde weiter.

 

Obwohl Hilde ihre Brille absetzte und sich dem Bild bis auf wenige Zentimeter näherte, behauptete sie, nichts von irgendwelchen Buchstaben erkennen zu können.

 

„Mutter“, sagte Kim, „ich kann Dir eine Lupe holen.“

 

„Nicht nötig. Ich hole unser ‚Scrabble’, und Du diktierst mir die Buchstaben.“ Sie stand auf, um das Spiel zu holen.

 

„Ich habe doch gesagt, dass das Bild eine Botschaft enthält“, sagte von Haase und drückte seine Zigarette im Aschenbecher aus.

 

„Hast Du das?“ fragte Alexander.

 

Hilde kehrte zurück, setzte sich und wühlte im Säckchen mit den Holzbuchstaben. „Was brauchen wir?“

 

„Ich schreibe mit“, sagte von Haase.

 

„R und E“, sagte Alexander langsam. „I und L. T und H. G und E. L und C. O und L. E und S. H und R.“

 

„Drei L“, sagte Hilde, während sie die Buchstaben auf dem Holzbänkchen vor sich betrachtete. „Drei E, zwei R, zwei H. Je ein S, ein C, ein I, ein T, ein G und ein O“.

 

„Soll das ein Anagramm sein?“, fragte von Haase und starrte auf das Papier mit der Buchstabenreihe vor sich.

 

„Da steckt HEILSLEHRE drin“, sagte Hilde, die eifrig die Buchstaben hin und her schob. „Rest 6. Und ORCHESTER. Rest 7.“

 

„ERLOESTER“, ergänzte Kim. „Auch Rest 7.“

 

„Wenn es mehr als ein Wort sein darf“, mumelte Hilde, „steigen die Möglichkeiten natürlich. ESCHER HOLT GRILLE. Rest Null.“

 

„Null und nichtig würde ich sagen“, sagte von Haase. „ESCHER HOLT GRILLE... Wie lautete der eine Spruch, mit dem er mich begrüßte? Käfig sucht Vogel? Der Mann war nicht umsonst in der Klapse.“

 

„Moment mal“, sagte Alexander, der sich am Buchstabenlegen nicht beteiligt hatte. „Warum sind die Buchstaben eigentlich so seltsam über das Bild verteilt? Er hatte 8 mal 8 Felder zur Verfügung. Genutzt hat er aber nur 16, und ganz ohne Symmetrie. Trotzdem möchte ich wetten, dass der Verteilung irgendein System zugrunde liegt.“

 

Bis auf von Haase, der weiter mit seiner Buchstabenreihe beschäftigt war, starrten alle auf das Bild. „Ich habe SCHLEHE und ORGIE“, sagte von Haase. „Rest nur 4.“

 

„Wenn Sammy noch unter uns wäre, hätte er sicher eine Idee“, sagte Hilde. „Das Schachbrett hat auch 8 mal 8 Felder.“

 

„Es ist ein Schachbrett“, sagte Kim langsam. „Und es sind die Züge eines Springers. Er kann immer nur ein Feld vor und eins zur Seite gehen. Oder erst eins zur Seite und dann eins vor. Genau wie hier.“

 

Sie fuhr mit dem Finger vom E zum L und weiter zum R. Dann hielt sie das Bild vor die Kamera und wiederholte die Bewegung.

 

„Natürlich“, sagte Hilde. „Das ist es. Es ist ein Rösselsprungrätsel.“

 

„Und das geht wie?“, fragte von Haase.

 

„Du suchst Dir ein Startfeld und machst einen Rösselsprung nach dem andern. In dem Fall von Buchstabe zu Buchstabe, mit der vorgeschriebenen Bewegung, wie Sheila schon sagte, eins vor und eins zur Seite, oder umgekehrt. Ich hole mal ein Schachbrett. Wäre doch gelacht, wenn wir das nicht rauskriegen.“

 

„Das ist die Ordnung, nach der wir gesucht haben“, sagte Alexander. „Das System.“

 

Hilde kam mit einem Schachbrett zurück, und Kim verteilte die 16 Buchstaben, die nebeneinander auf Hildes Holzbänkchen standen, nach der Vorlage des Bildes auf dem Schachbrett. „Aber wo ist der Anfang?“ fragte sie und sah dabei Alexander an.

 

„Das weiß ich nicht“, antwortete Alexander. „Es spielt auch keine Rolle. Wir müssen nur auf die richtige Piste kommen.“

 

„Ich würde mit einem der E’s beginnen“, schlug von Haase vor. „Das E ist der am häufigsten benutzte Buchstabe.“

 

Alexander nickte. „Stimmt. Und genau deshalb würde ich damit nicht anfangen. Ich würde sagen, wir starten mit C und H. Weil C und H wahrscheinlich hintereinander stehen. Denk an die vielen Worte mit ch. Zum Beispiel Schock. Oder Scharlatan.“ Er bemühte sich, von Haase dabei nicht anzusehen.

 

„Alexander hat Recht“, sagte Hilde. „CH ist eine gute Idee. Schreibst Du mit, Maurice?“

 

„Oui, ma générale“, sagte von Haase. „CH.“

 

Hilde drehte die beiden Buchstaben auf dem Schachbrett um. „Was kommt nach dem H?“

 

„Es gibt zwei Möglichkeiten, zu einem E zu springen“, sagte Kim.

 

„Wir nehmen die erste. Mal sehen, wo das hinführt. CHE. Weiter.“

 

 
 
 
2. Sept.
3 Min. Lesezeit

Für den Video-Chat mit von Haase hatte Alexander im Wohnzimmer seinen Laptop aufgebaut. Als die Verbindung hergestellt war, rief er Hilde und Kim, und sie nahmen auf den drei Küchenstühlen Platz. Von Haase schien sich ehrlich zu freuen, als er Hilde auf dem Bildschirm seines Computers sah, von Alexander und Kim flankiert.

 

„Hilde, meine Liebe“ sagte er mit einem strahlenden Lächeln. „Du siehst bezaubernd aus. Wie geht es Dir?“

 

„Na, wie wird es mir schon gehen nach so viel Aufregung?“, antwortete Hilde. „Man macht sich Sorgen, die Sorgen lassen einen nicht schlafen, das hat man morgens in den Knochen, und damit fängt der Tag bereits schlecht an.“

 

Kim legte einen Arm um ihre Mutter und schmiegte sich an sie. „Wir stützen uns gegenseitig“, sagte sie.

 

„Und, was treibst Du so?“, wollte von Haase wissen.

 

Hilde hob theatralisch beide Hände. „Was denkst du? Ich mache meine Gymnastik, ich koche, ich gehe einkaufen, ich halte die Wohnung sauber. Fernsehen wenig. Das Fernsehen will einem bloß einreden, alles sei interessant. Blödsinn!“

 

„Fühlst Du Dich nicht manchmal einsam? Ich meine, wenn Du nicht gerade Besuch hast?“

 

„Wieso? Hier bin ich für mich und kann mich gehen lassen. Ich brauche keine große Gesellschaft. Was soll ich damit? Wichtig ist, dass man etwas mit sich anzufangen weiß.“

 

Von Haase erkannte, dass seine alte Freundin nicht in Plauderstimmung war und wendete sich übergangslos Kim zu.

 

„Und Sheila, wie ist es Dir und Deinem Mann ergangen?“

 

„Uns geht es gut“, antwortete Kim. „Ich habe ein bisschen Zeit gebraucht, um Abstand zu dem, was passiert ist, zu kriegen… Aber jetzt funktioniere ich wieder ganz ordentlich. Und wie geht es Dir?“

 

„Es ist wie immer. Ich werde von Araya verwöhnt und gefordert.“

 

Im selben Moment ging im Hintergrund eine Tür auf, und Araya kam auf die Kamera zu. Sie schien von Haase etwas mitteilen zu wollen, zögerte aber.

 

„Was gibt es, Liebes?“ fragte er, ohne den Kopf in ihre Richtung zu bewegen.

 

„Entschuldigung“, sagte Araya, „das Schweizer Fernsehen ist am Telefon. Sie würden morgen gerne ein Interview machen. Mit Dir. Wegen dem Alien.“

 

„Was?“ sagte von Haase und drehte sich zu ihr. Gesichtsausdruck und Stimme verrieten Empörung. „Wegen DOMINIQUE? Kommt gar nicht in Frage. Woher wissen sie das überhaupt? Sag ihnen, kein Gesprächsbedarf. Nein, warte. Sag ihnen, ich bin zurzeit in Chichén Itzá, Yucatán.“

 

Araya drehte sich wortlos um und verließ den Raum, und von Haase wandte sich wieder der Bildschirmkamera zu. „Habt ihr das gehört“, sagte er kopfschüttelnd. „Jetzt sind mir schon die Fernsehfritzen auf den Fersen. Ich glaube, es wird höchste Zeit, dass wir unser gemeinsames Projekt zum Abschluss bringen.“

 

Alexander hielt es für sehr wahrscheinlich, dass die Szene lediglich gestellt war, um sie unter Druck zu setzen. Er hielt von Haase nicht für so dumm, sich vorzeitig an die Medien zu wenden. Trotzdem sagte er: „Maurice, wir haben nichts in der Hand. Wenn wir verfrüht damit herauskommen, haben wir verloren.“

 

„Natürlich“, sagte von Haase und tastete sein Jackett nach dem Zigarettenetui ab. „Ich denke ganz genauso. Aber wir ihr seht, rückt man mir schon auf die Pelle. Ich werde mich nicht mehr lange verleugnen lassen können. Und ehrlich gesagt –“ Er zündete sich eine Zigarette an und blies den Rauch in Richtung Bildschirm. „Ehrlich gesagt, bin ich selbst schon ein bisschen ungeduldig.“

 

„Uns geht es genauso“, mischte sich Kim ein. „Deswegen wollten wir gemeinsam mit Dir überlegen, wie wir jetzt weiter verfahren.“

 

Von Haase ließ sich in seinem Schreibtischstuhl nach hinten fallen und schlug die Beine übereinander. „Alexander hat mir erzählt, dass Holtz Dir ein Bild geschenkt hat, bevor er... Was ist eigentlich mit dem Bild passiert?“

 

„Ich habe es mitgebracht. Vielleicht hätte ich es der Polizei geben sollen, aber ich habe einfach nicht daran gedacht.“

 

„Du hast gesagt, er hat Dir das Bild sogar gewidmet“, erinnerte sie Alexander.

 

„Ja, auf seine Weise. Mit einer Zettelbotschaft.“

 

„Und wie lautete diese – Botschaft?“, fragte von Haase hinter einer Rauchwolke.

 

„Es war keine richtige Widmung. Er hat bloß dem Bild einen Namen gegeben“, antwortete Kim. „Ich glaube, er hat Erinnerungsbild dazu gesagt. Nein, jetzt fällt es mir ein. Er hat es Gedächtnisbild genannt. Gedächtnisbild für Madame Fairchild.“

 

„Ist doch klar“, seufzte von Haase. „Zu seinem ewigen Gedächtnis. Mit ewig hat er es ja gehabt. Wie hieß sein Lieblingsspruch noch? Alles endet ewiglich. Schrecklich.“

 

„Aber das Bild ist schön“, sagte Kim. „Eine Tüftelei. Sehr eindrucksvoll.“

 

„Es war sein Abschiedsgeschenk für Dich, Sheila. Vielleicht hat es irgendeine Bedeutung. Habt ihr mal darüber nachgedacht?“

 

„Bisher nicht“, antwortete Alexander.

 

„Es liegt nebenan“, sagte Kim. „Willst Du es mal sehen?“

 

„Ja bitte. Vielleicht gibt es irgendetwas her.“

 

 
 
 
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